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Marco Koch startet bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro

Mit dem Weltmeister- und Vizeeuropameistertitel, einem vielversprechenden Platz in der Weltjahresbestenliste und großen Ambitionen im Gepäck reiste Marco Koch zum zweiten Mal in seiner Schwimmerlaufbahn zu den Olympischen Spielen, diesmal nach Rio de Janeiro/Brasilien. Er wurde dabei wieder unterstützt von Heimtrainer Alexander Kreisel. In der Vorbereitung waren sie vom Bundestrainer mit allen Freiheiten des „Eliteteams“ ausgestattet worden. Erwartet wurde eine sehr harte Konkurrenz und eine Siegerzeit vermutlich unter dem bestehenden Weltrekord und damit eine halbe Sekunde schneller, als Marcos Deutscher Rekord. Die Umstellung der inneren Uhr auf die Wettkampfzeiten am späten Abend wurde bereits zwei Wochen vor dem Abflug im SLZ in Darmstadt begonnen, drei Wochen vor dem Umzug in das Olympische Dorf wurde ein Trainingslager in Brasilien zur Zeitumstellung genutzt.
Im Vorlauf erreichte Marco mittags in 2:08,98 den 5. Platz. Eine gute Ausgangsposition für das Halbfinale am Abend, das um 04:00 Uhr deutscher Zeit stattfand. Hier schwamm Marco 2:08,12, eine ordentliche Steigerung, die aber dennoch nur Platz 7 und somit nur Startbahn 1 im Finale bedeutete. Die Zwischenzeiten ließen noch Potential auf der zweiten Bahn vermuten, zu den Vorleistungen des Jahres 2016 war auch noch Luft. Ungewohnt war nach den Leistungen und dem Auftreten der vergangenen Jahre jedoch die knappe Niederlage gegen 3 Konkurrenten im eigenen Lauf, die die Einnahme einer Favoritenbahn im Finale verhinderte. Schnellster im Halbfinale und damit aussichtsreichster Finalist war der Japaner Watanabe, der im anderen Halbfinale in 2:07,22 einen Olympischen Rekord erzielt hatte. Ach ja, die Strecke, um die es hier geht, ist natürlich 200 m Brust.
Das paßte soweit in das wenig erfolgreiche Bild, das der Deutsche Schwimmsport in Rio abgab und über das eine Vielzahl von Reportern berichteten, zahlenmäßig dem deutschen Trainerstab deutlich überlegen. Für einen Bericht über die erreichten Zeiten fühlten Sie sich im Verein mit der Bildregie leider in der Regel nicht zuständig.
Marco, der heimatverbundene Junge aus dem abrißreifen Darmstädter Nordbad, das im übrigen in den kurzen Trailern der Fernsehanstalten richtig schmuck aussah, und das auch in seiner nächtlich beleuchteten SLZ-Freibadausgabe zu beeindrucken wußte, wurde jetzt in eher unvorteilhaft geschnittenen kurzen Interviews gezeigt, die dem Image des entspannten Sportlers, den nichts aus der Ruhe bringen kann, widersprachen. Sie entstanden wie gesagt im Zusammenhang mit den Berichten über das schwache Abschneiden der deutschen Schwimmer, ließen aber leider auch und eine gewisse Verunsicherung bei Marco erkennen.
In der Finalnacht versammelten sich die Darmstädter Schwimmfans auf Einladung der Stadt ab 02:00 Uhr in der Lounge der Centralstation, um das gleich für den Beginn des Abschnitts um 03:03 Uhr angesetzte Finale gemeinsam zu verfolgen und die für Darmstadt erhoffte Medaille zu feiern. Die Bedenken des Sportamtsleiters Torsten Rasch, ob der Saal mitten in der Nacht und noch dazu werktags auch gefüllt werden könnte, hatte DSW Vorsitzender Thomas Kipp im Vorfeld zerstreut und so fanden sich ca. 60 Schwimmer, Triathleten, Wasserballer, Verbandsvertreter und Sportinteressierte ein. Die Stadt Darmstadt war hochrangig vertreten durch OB Jochen Partsch, BM Rafel Reißer und Moritz Röder vom Sportausschuß. Dazu kamen noch Reporterteams, die sich insbesondere für die O-Töne des erfolgreichen DSW-Olympioniken Uwe Jacobsen interessierten.

20160811_024529Die gut besuchte Lounge der Centralstation

Die Spannung stieg und das große Rennen begann. Einer guten ersten Bahn (29,25 und Platz 3) folgte eine vielleicht wieder nicht mit ausreichendem Mut geschwommene zweite Bahn (1:02,31 nach 100 m und Platz 4). Mit dieser Zwischenzeit dürfte eine Endzeit deutlich unter 2:08 kaum möglich sein … Auf der dritten Bahn gab Marco wie gewohnt Gas und konnte den Abstand zur Spitze verkürzen (32,65 – Platz 4). Die Stimmung in der Centralstation erreichte jetzt ihren Höhepunkt. Auf der Schlußbahn wurde der Abstand zur Spitze nicht wie erhofft aufgeholt, sondern vergrößerte sich wieder. In 33,04 konnte Marco im Endspurt einer vierjährigen Trainingsphase sein Tempo nicht mehr halten und wurde in einem äußerst ausgeglichenen Feld nur Siebter. In der Centralstation wurde es wieder ruhiger und das gesehene in Fachgesprächen verarbeitet. Der Jubel in der Heimat, den die Kameras einfangen wollten, mußte ausfallen.

20160820_145831Das dürfte das knappste Rennen der olympischen Schwimmwettbewerbe gewesen sein – Marco schlägt ganz links an

Der 21-jährige Kasache Balandin als Sieger war auf Bahn 8 auf der anderen Außenbahn geschwommen, er unterbot Marcos Bestzeit in 2:07,46 lediglich um eine hundertstel Sekunde. Der Japaner Watanabe auf Bahn 4 konnte seine Halbfinalleistung nicht wiederholen und belegte in 2:07,87 Rang 6, sicher war er ebenso enttäuscht wie sein Landsmann Koseki, der nach der ersten drei Bahnen jeweils geführt hatte, um dann am Ende in 2:07,80 auf Platz 5 zu landen. 30 Hundertstel hatten Marco zu dem Russen Chupkov, in 2:07,70 auf dem Bronzerang, gefehlt, 54 zu Gold. Eine so nicht erwartete riesengroße Chance hatte sich aufgetan, sie blieb ungenutzt. Auch nach längerem Abstand zum Geschehen stellt sich die Frage, ob das wirklich so ausgehen mußte.
Als Erklärung war später die Rede von 2 nicht optimal getroffenen ersten Wenden. Der Bundestrainer kreidete sich an, in der letzten Phase der Vorbereitung bei den Darmstädtern nicht auf ausreichende Trainingsumfänge geachtet zu haben.
Die Lounge leerte sich erst nach einer Stunde der Nachbereitung des Rennens. Unisono erklärten Jochen Partsch und Rafael Reißer noch, dass der Neubau des Nordbades von der Koalition beschlossen sei und die endgültige Entscheidung im September in der Stadtverordnetenversammlung beschlossen werde. Auch von der Information des Kommentators unmittelbar vor dem Rennen, Marco müsse in Darmstadt im Stadtbad auf der kurzen Bahn trainieren, ließen sich die beiden nicht beirren. „Wir bauen ein Nordbad mir einer langen Bahn“, für diese Erklärung holten sie gleich auch noch Moritz Röder von der SPD mit ins Boot. Das war dann zum Abschluß in dieser Deutlichkeit eine richtig erfreuliche Nachricht, bevor es wieder ins Bett ging. Einige Enthusiasten waren auch um 07:00 Uhr zum Frühtraining im SLZ.
Beim Frühstück dann der Blick in die große Frankfurter Zeitung. Sie lud im Regionalteil für die kommende Nacht in die Centralstation zum Public Viewing ein. War alles etwa nur ein Traum gewesen und stand das große Finale noch bevor? Nein, leider nicht. Diese Klasseleistung der Redaktion weckt die Erinnerung an eine noch viel tollere Leistung. Sie wurde erbracht von einem greisen Herrn aus Italien, der als Weltverbandschef der Schwimmer die Jugend der Welt zum friedlichen Wettstreit aufrief und dabei ausdrücklich auch (früher) gedopte Sportler mit einbezog. Vielen Dank für diese klaren Worte.
Nachzutragen ist noch der weitere 7. Platz, den Marco mit der 4×100 m Lagen Staffel am Schlußtag der Schwimmwettbewerbe erreichte. Auf der Brustteilstrecke ersetzte er Christian vom Lehn, der im Vorlauf nicht unter einer Minute geblieben war, und schwamm mit fliegendem Start 0:59,63.

Thomas Kipp
Vorsitzender

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